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Rainer Schäfers

Mein ganzes Leben schon gehe ich, sagen wir mal, mit „speziellen“ Formen von Familienleben um… Direkt nach meiner Geburt adoptiert, wuchs ich bei sog. „nicht leiblichen“ Eltern auf, die mir Gott sei Dank diesen Umstand auch nie verheimlicht haben. Abgesehen davon und einer ebenfalls adoptierten Schwester war mein Familienleben nicht wesentlich anders als das bei meinen Freunden und Bekannten. Äußerlich. Innerlich waren da schon Unterschiede. Jedenfalls war Familienleben für mich nie von einer solchen Identität unterfüttert, wie ich sie um mich herum bei anderen Familien beobachten konnte bzw. erlebt habe. So sehr sich meine Eltern auch darum bemüht hatten, mir fehlte einfach immer etwas im Fundament.

Nun, nach dem Abitur wollte ich dann raus aus dem heimischen Nest und auf die eigenen Füße und studierte Sozialarbeit mit dem Schwerpunkt Familienarbeit (sic!) in Münster. Im Studium kam dann auch mein Einstieg ins Familienleben als Vater eines Sohnes. Die Trennung von seiner Mutter ließ mich dann Familienleben von einer neuen Seite kennen lernen.

Mein Sohn war noch kein Jahr alt, da musste ich mit dem Umstand umzugehen lernen, ihn nicht mehr 24/7 um mich zu haben, sondern musste mein Vater-Sein auf Wochenendkontakte beschränkt leben. Das jedenfalls habe ich als sehr viel schlimmer für mich erlebt, als alles, was je für mich mit meiner Adoption zu tun gehabt hätte.

Trotzdem ist es mir gelungen zu meinem Sohn eine tiefe und tragende Bindung aufzubauen. Später habe ich dann meine heutige Frau geheiratet, die ebenfalls einen eigenen Sohn hatte und fand mich damit im Patchwork wieder. Wir haben uns dann gegen eigene Kinder entscheiden, weil wir unseren beiden Jungs unsere 100%ige Aufmerksamkeit und Kraft geben wollten. Damit bekam Familienleben für mich wieder eine neue Facette hinzu.

Hinzu kamen dann natürlich auch noch meine beruflichen Erfahrungen, die ich im Laufe der Jahre als systemischer Berater für Familien und Elterntrainer mit Hunderten von Eltern und Familien sammeln durfte. Heute kann ich also sagen, dass ich Familienleben von einer Bandbreite kenne und gelebt habe, wie kaum jemand sonst.

Ich habe interessanterweise meinen Glauben an Familie niemals verloren. Egal in welcher Situation ich mich befand. Meine leibliche Mutter habe ich inzwischen kennengelernt. Leider wohnen wir sehr weit auseinander. Dabei habe ich auch meine beiden Halbgeschwister kennengelernt, mit denen ich mich auch sehr verbunden fühle. Auch wenn wir uns nicht oft sehen und nicht am Leben der anderen wirklich teilhaben, ist es für mich wunderbar zu wissen, dass es sie alle gibt und es damit auch diese Form von Familienleben für mich gibt.

Ich habe also gelernt: Familienleben funktioniert. Egal in welcher Form Du es lebst. Ich muss aber auch sagen: Das stimmt nur, solange Du nicht dem Zweifel und der Angst anheimfällst als Mutter oder Vater nicht zu genügen. Deine Kinder lieben Dich, egal was Du anstellst. Das gilt sogar für Adoptierte. Ich bin ein lebender Beweis dafür.

Ich habe mich als Mensch und auch beruflich genau diesem Thema verschrieben. Eltern klar zu machen, dass sie nicht perfekt sein müssen. Gut genug reicht völlig aus. Wie gut genug geht, zeige ich Dir. Wenn also Angst oder Zweifel Dein Thema sind, dann guck Dir an, ob die Zusammenarbeit mit mir nicht für Dich nützlich sein können.

Ich freue mich darauf Dich oder Euch kennen zu lernen!

Emsdetten, im September 2016

Rainer Schäfers